Lichtkonzept aus einem Guss

Applaus auf allen Ebenen ...

Die Beleuchtungskonzeption des Selterswegs aus den Händen der Planer Mario Hägele (Stuttgart) und Dieter Bartenbach (Innsbruck) begeistert. Die Musterstrecke des BID-Seltersweg-Leitprojektes von Köhler bis hinter die „Schwätzer“ wird durch Fassadeninszenierungen (Zonierungsleuchten) und Stadtraumstrahler (Sicherheit, ganznächtige Grundbeleuchtung) geprägt.

Genau diese Kombination der beiden Leuchtentypen gestaltet den atmosphärischen Effekt, der an manchen Stellen noch durch Fassadenstrahler (Wandfl ächen) und Anstrahler (Beispiel Fielmann-Haus) ergänzt wird. Ziel war immer, eine Raumbeleuchtung herzustellen, die das Gefühl von Sicherheit, Erkennbarkeit, plastischer Wahrnehmung von Boden-Fronten und Mensch wiedergibt. Dazu sollten sich passende Fassaden-Inszenierungen, die Ruhe, Einheitlichkeit und Ordnung ausstrahlen, während der belebten Zeiten in den Abendstunden einfügen. Die übers Jahr gesehenen langen dunklen Einkaufszeiten in Mitteleuropa erleben damit einen ganz besonderen Wohlfühlcharakter. Stadtrat Thomas Rausch wollte „Schnellschüsse“ vermeiden und gab im Vorfeld einige Punkte zu bedenken, die bei der Umsetzung beachtet werden sollten. Auch er ist angetan von der „ordentlichen Umsetzung“. Von Anfang an präsentierten Hägele und Bartenbach zwei Systemmöglichkeiten. Die Überspannung des Straßenraums oder die Anbringung an den Fassaden (siehe Skizze aus dem bereits 2007 veröffentlichten Newsletter). Letztere wurde gewählt. Mit Andreas Weber, dem „Seltersweg-Elektriker“, fand man einen Umsetzer, der mit gekonnter Detailarbeit dafür sorgte, keine Kabelverlegungen sichtbar zu lassen. Die Lampenkörper selbst sind unauffällig schick. Sie bieten Tauben keine Landeplätze. Da sie nicht auf Masten sitzen, können sie nicht beklebt oder beschmiert werden. Sie zeichnen sich zudem durch gut kalkulierte Anschaffungskosten und eine enorme Energiesparsamkeit aus. Die Beleuchtung ist mit einem Filter ausgestattet, die Insekten fern hält und ist so konzipiert, dass sie Hausbewohner nicht stört. Gestört werden auch Zugvögel nicht, da nach einer angestrebten EU-Richtlinie keine Leuchten mehr in den Himmel strahlen sollen. Die in Gießen verwendeten Systeme strahlen von oben nach unten. Die Schaltungen können einheitlich zeitgleich über die Stadtwerke koordiniert werden. So sorgt die Beleuchtung für eine weitere Aufwertung der Innenstadt. Bis Oktober wird der Seltersweg über die Musterstrecke hinaus komplettiert sein, so dass es bald heißt: Gießen leuchtet!

Fazinierend geringer Stromverbrauch
Eines der größten Verdienste der beiden Planer war die Entwicklung von Reflektoren, die bei ausgeprägter und effektvoller Lichtintensität dennoch nur geringen Stromverbrauch haben. Ein Zonierungsstrahler (zuständig für die streifenähnliche Fassaden-Inszenierung) benötigt beispielsweise nur 35 Watt. In den langen Wintermonaten, bei denen bereits um 18:00 das Licht bis 23:00 die Fassaden gestaltet, sind das Stromkosten von lediglich 79 Cent pro Leuchte im Monat! So wird´s gerechnet: 5 (Stunden täglich) x 35 (Watt) x 30 (Tage im Monat): 1.000 x 0,15 Euro (pro Kilowattstunde) = 79 Cent im Monat! Im Sommer fallen die Kosten sogar noch weniger ins Gewicht. Die Leuchten, die den Stadtraum (Plätze und Straßen) beleuchten, sorgen selbst aus bis zu 14 Metern Anbringungshöhe für eine gleichmäßige helle Beleuchtung. Man fühlt sich schlichtweg sicherer! Vorbei sind die Zeiten entgegenkommender dunkler Schatten. Der Stadtraum erhält fast eine Wohnzimmeratmosphäre. Diese Lampen leuchten die ganze Nacht und benötigen 70 Watt. Im Winter sind es ca. 15 Stunden. Im Sommer acht. Im Schnitt ca. 12 Stunden. Das heißt ca. 3,78 Euro Energiekosten im Monat / Leuchte. Im Seltersweg sind 50 Stadtraumleuchten dieser Art vorgesehen. Hier wäre nach Auffassung des BID eine städtische Beteiligung sinnvoll.



Weitere Bilder zu diesem Artikel:


zurück